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Politikwissenschaftliche referatE und diskussion

 

 

Vorträge im Wintersemester 2008:

 

 

Datum           20.11.2008

Zeit             18.00 Uhr

Ort                            Hörsaal 1B, Silberlaube (Habelschwerdterallee 45, U Dahlem-Dorf)

Referent         Dr. Rolf Röhrig

 

Mit der "Produktionsfaktoren" und "subjektiver Wertlehre" gegen die Erklärung des Werts .

Bürgerliche Ökonomie contra Marx: ein Leistungsvergleich

 

Im Kapitalismus wird Arbeit verrichtet nicht für die Herstellung nützlicher Güter, sondern für die Vermehrung von Geld. Dessen Wachstum ist der Zweck allen Produzierens. Das war Marx nicht nur eine Analyse, sondern auch eine Kritik wert. Ein Reichtum, der sein Maß im Arbeitsaufwand hat, wächst nur im Grad der Mühen, die aufs Produzieren verwandt werden. Er besteht gerade nicht in der Leichtigkeit, mit der die arbeitende Menschheit sich die Notwendigkeiten und Genüsse des Lebens verschafft, sondern erfordert das gerade Gegenteil. Die Gesellschaft ist die reichste, in der möglichst viele Leute möglichst lange arbeiten, an modernsten Maschinen natürlich. Nutznießer eines solchen abstrakten Reichtums können gar nicht die Arbeiter sein. Umgekehrt, sie dienen ihm mit ihrer ganzen Lebenskraft. Es ist nicht zu übersehen: Die Werte, die durch die Verausgabung von Arbeit geschaffenwerden, gehörenim Wesentlichen jenen, die nicht selber arbeiten, sondern andere arbeiten lassen. Das Kapital wächst, das seinen Eigentümern Gewinn, Zins oder Grundrente abwirft. Nur der Arbeiter selber wird ärmer und muss nach 150 Jahren kapitalistischem Wachstum um einen Mindestlohn betteln.

Marx Kritik hat die moderne bürgerliche Ökonomie nicht ruhen lassen. Nicht dieser oder jener Fehler, die politische Konsequenz seiner Theorie war unerträglich. Die Volkswirtschaftslehre versteht sich daher seit ihren Anfängen als Gegenprogramm in antikritischer Absicht. Gegen die „Arbeitswertlehre" stellt sie ihre „Theorie der Produktionsfaktoren“: Ausbeutung wird zu einem Gemeinschaftswerk dreier Kräfte, die auf den Namen Boden, Kapital und Arbeit hören und sich das Produktionsergebnis angeblich nach Maßgabe ihres nützlichen Beitrags teilen. Gegen die „objektive Wertlehre“ entwirft sie eine „subjektive“: Der Preis der Ware, der jedes Bedürfnis vom nützlichen Gut trennt, wird darin zum Ausdruck subjektiver Wertschätzung prinzipiell knapper Güter, damit Wünsche und Gütermenge zu einem vernünftigen Ausgleich kommen. Und der Markt, den Marx in der Wirklichkeit als Konkurrenz der Betriebe um lohnende Preise angetroffen hat, gerät den Freunden der „invisible hand“ zu einem rundum gelungenen Kundendienst: Das Publikum ordert mit seinen Geldscheinen beim Einkauf Qualität und Menge des Angebots, das die Nachfrage bedient.

Zwei Theorien, aber nur eine Welt. Es lohnt sich, den Leistungsvergleich einmal ernsthaft durchzuführen, den die moderne Volkswirtschaftslehre gegen Marx ausgerufen hatte und für sich entschieden zu haben meint.

 

 

 

Datum           13.01.2009

Zeit             18.00 Uhr

Ort             Hörsaal 1B, Silberlaube (Habelschwerdterallee 45, U Dahlem-Dorf)

Referentin        Dr. Margaret Wirth

 

Warum der rationelle Kern der Frauenfrage mit der Forderung nach Gleichberechtigung nicht erledigt ist.

 

  1. Das Leben vieler Frauen ist voll von Opfer und Entbehrung – ist deshalb die Unterdrückung der Frau der Zweck dieser Gesellschaft?

  2. Belegt die "Männersprache" das gesellschaftlich gültige Prinzip, dass ein Geschlecht über das andere herrschen will?

  3. Was ist davon zu halten,  die mindere Wertschätzung der Frau zu beklagen und ihr Recht auf Gleichberechtigung und Anerkennung zu fordern?

  4. Welche Schuld tragen die Männer an der angeblichen Herrschaft des frauenfeindlichen Prinzips?

  5. Was ist von der vorzüglichen Moralnatur der Frau zu halten, die in Harmonie und Einheit mit der Natur ihre Erfüllung findet?

  6. Das praktische Nachkommen staatlicher Anforderungen zu ergänzen um eine eigenständige Ideologie der Spendernatur  versöhnt Herrschaft und Untertaninnen bestens.

 

 

 

 

 

- - - dieser Termin entfällt leider - - -

Datum           2.12.2008

Zeit             18.00 Uhr

Ort             Hörsaal 1A, Silberlaube (Habelschwerdterallee 45, U Dahlem-Dorf)

Referent         Dr. Theo Wentzke

Die ‚drohende Klimakatastrophe’ und ihre Bewältigung

Ideologien und Wahrheiten¸ über die Naturzerstörung durch den globalisierten Kapitalismus.

Was ‚wir’ daraus angeblich lernen und dagegen tun können und welche Konsequenzen die politisch Zuständigen für ‚unsere Zukunft’ tatsächlich ziehen.

- Die Wissenschaft berichtet: Der globale Klimawandel ist bedrohlich, die Folgen sind absehbar und ziemlich katastrophal.

- Die Öffentlichkeit ist aufgeschreckt und klärt auf: Nein, solche globalen Schäden sind keine Systemfrage. Schuld sind verbreitete Ökonomische Unverantwortlichkeiten, gravierende Staatenversäumnisse und letztlich ‚wir alle’ mit unseren unersättlichen Wachstums- und Konsumansprüchen, also die moralische Verfassung ‚der Menschheit’.

- Die Folgen werden von den Staaten allerdings national bilanziert: 330 Mrd. € Verlust bis 2050 allein in Deutschland.  Prominentestes Opfer ist also nicht der Mensch, sondern sind die für unsere CO2- produzierenden ‚zivilisatorischen Fortschritte’ Verantwortlichen: die nationale Geschäftswelt und die Nation mit ihrem Reichtum.

- Die politischen Bemühungen um Abhilfe für die globale Bedrohung fallen entsprechend einseitig aus: Jetzt bezichtigen die Staaten sich wechselseitig, auf Kosten der jeweils anderen die globale Umwelt zu zerstören. Die politischen Macher konkurrieren gleichzeitig darum, wer anderen Staaten Maßnahmen und Kosten für Klimaschutz aufbürden, wer umgekehrt aus den praktischen Nachsorgen in Sachen Klima, Energieverbrauch usw. ein neues nationales Geschäft machen kann. Deutsche Windräder und Solarzellen gegen französische Atomkraftwerke!

- Während ‚der Mensch’,öffentlich aufgeklärt, für jede Flugreise ein Bäumchen pflanzen, umweltbewusst spenden oder auch einfach seine steigenden Energiekosten an die einschlägigen Konzerne bezahlen darf, ‚versöhnen’ die fürs ‚Klima’ Verantwortlichen ‚Ökologie’ und ‚Ökonomie’ auf etwas andere Art: Sie treiben Energiepolitik, kümmern sich über die eigenen Grenzen hinaus um eine weltkrisenfeste Energiebasis ihrer Nation und streben nach nationaler Kontrolle über die globalen Ressourcen. Natürlich alles im Namen des weltweiten Klimaschutzes für die betroffene Menschheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseempfehlungen:

 

PROF DR. FREERK HUISKEN (Oktober 2006):

Über die Unregierbarkeit des Schulvolks. Rütli-Schulen, Erfurt usw.

Kurztext: Texte zum Thema "Jugendgewalt" und zu den "Restschulen", neuerdings "Rütli-Schulen" genannt. Huisken verdeutlicht Zusammenhänge, die gerne ausgeblendet werden: Die Unregierbarkeit von Schülern, Schulklassen und ganzen Schulbelegschaften ist das unerwünschte Produkt sehr erwünschter Schul-, Sozial- und Ausländerpolitik.

Einleitung: Schulen machen Schlagzeilen, weil Lehrer immer wieder mit dem Schulvolk nicht fertig werden. Da sind zum einen die Haupt- und Realschulen, in denen die Schulverlierer aufbewahrt werden, die auf Unterricht und Schulordnung pfeifen, weil sie ohnehin keine "Perspektive" mehr haben. Auf die Lüge, der Schulabschluss sei der Weg ins Berufsleben, fallen die inländischen und vor allem die Schüler mit "Migrationshintergrund" nicht mehr herein. Wie auch wo sie frühzeitig auf Hartz-IV festgelegt sind, wo sie wegen "fremder Kultur" in Ghettos abgeschoben werden, wo Kinder zur Last werden, weil die Eltern von Arbeitslosigkeit und Abschiebung bedroht sind.

Wenn Schüler in dieser Lage die Schulen in einen "Jahrmarkt ihrer Eitelkeiten" umfunktionieren, zeigen sie nur, wie gut sie bereits all jene geistigen Techniken gelernt haben, die ihnen zur Bewältigung des bürgerlichen Alltags beigebracht werden. Frühzeitig zum "sozialen Ausschuss" degradiert, setzen sie diese nach ihren eigenen Spielregeln ein, und leben an Mitschülern ihren unverwüstlichen Anerkennungswahn und Selbstbewusstseinskult aus.

Und da sind zum anderen die "Gewalttäter" wie der R.S. aus Erfurt, die zeigen, dass die Höhere Bildung vor Massakern nicht schützt. Wenn Schüler von Lehrern kurz vor dem Abitur gefeuert werden, wenn sie sich deswegen ungerecht behandelt fühlen und ihr Recht, zu den "Besseren" zu gehören, mit Füßen getreten sehen, dann verwandeln sie schon mal eine Schule in ein blutiges "Feld der Ehre". Nachher darf dann die bestürzte Öffentlichkeit wehklagen, dass das mit der "Ehre" so nicht gemeint ist.

Infos zum Buch unter: http://www.vsa-verlag.de/vsa/. ISBN 3-89965-210-X

 

 

PROF DR. FREERK HUISKEN (Oktober 2005):

Der "PISA-Schock" und seine Bewältigung. Wieviel Dummheit braucht / verträgt die Republik?  

Die PISA-Studien haben in Deutschland für Aufregung gesorgt. Das miserable Abschneiden 15-jähriger Schülerinnen und Schüler galt und gilt als Blamage einer Nation, die sich nicht nur zu den gehobenen "Wissensgesellschaften" zählt, die sich nicht nur auf ihre Kultur und ihre Geistesleistungen einiges zu Gute hält, sondern die sich bisher auch eines Bildungswesens zu rühmen wusste, dessen Absolventen sich als überzeugte deutsche Demokraten, als "mündige Staatsbürger" fleißig der Rechte und Pflichten annahmen, die das Nachkriegsdeutschland für sie vorgesehen hatte.

Aus dem in den PISA-Studien festgestellten Abstieg aus der 1. Liga im Bildungsvergleich wurde das gleiche Schicksal für die deutsche Nationalökonomie abgeleitet. Denn über eines sind sich Öffentlichkeit, Politik und Fachwelt sehr einig: Bildung ist ein Wachstumsfaktor, eine Ressource für den Standort, ist Humankapital, mit dem "wir" unsere Rohstoffknappheit substituieren können und müssen. Eine klare Auskunft darüber, dass Wissenschaft und Bildung ganz im Dienste am Kapital aufzugehen haben.

Infos: http://www.vsa-verlag.de/books.php?kat=ap&isbn=3-89965-160-X

 

 

PROF DR. FREERK HUISKEN:

Zur Kritik Bremer „Hirnforschung“: Hirn determiniert Geist - Fehler, Funktion und Folgen. Bremen, 2005.

Huisken kritisiert die (Bremer) Hirnforschung anhand grundlegender Resultate der Forschung von Gerhard Roth. Er zeigt auf, in welche Widersprüche sich eine Theorie verwickelt, die Wille und Bewusstsein zu einer Einbildung des Naturdings Hirn erklärt, menschliches Verhalten als Ausfluss seiner anatomischen Voraussetzungen bespricht und versucht, gesellschaftliche Phänomene wie Erziehung und Kriminalität auf hirnorganische Besonderheiten zurückzuführen. Er beleuchtet dabei auch, welche gesellschaftliche Funktionalität dieser Theorie aktuell nicht trotz, sondern wegen ihrer Fehler zukommt.

Infos: bestellung@wissenschaftskritik.de

 

 

 

 

 

S o z i a l i n f o  2004:

Die SozialberaterInnen der HU Berlin haben mit dem Sozialreferat AStA FU ein umfassendes berlinweites Sozialinfo rausgebracht, in Zusammenarbeit mit dem AStA FU und dem RefRat HU. Die Broschüre mit Infos zu sozialen Fragen wie Beratungen, Miete, BAföG etc. liegt im AStA zum mitnehmen aus und ist sehr zu empfehlen.

 

 

 

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