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Politikwissenschaftliche referatE und diskussion
Vorträge im Sommersemester 2009:
Datum_____Dienstag, 26.05.2009 Zeit_______18.00 Uhr Ort_______ Hörsaal 1A, Silberlaube (Habelschwerdterallee 45, U Dahlem-Dorf) Referent___Dr. Rolf Röhrig
Die Moral und ihre Grundlage im Recht des Staates
Die Moral gilt als hohes Gut, das die Menschen im Unterschied zum Tierreich als Krone der Schöpfung adelt. Merkwürdigerweise ist sie aber nie recht vorhanden, weil die Welt eigentlich nur von gierigen Managern, korrupten Politikern, egoistischen Singles und faulen Arbeitslosen bevölkert ist. Nicht zu vergessen die unhöflichen Kinder, die nie grüßen. Die Welt ist also voller Lumpen. Eine Ausnahme kennt freilich jeder: sich. Das ist nur eine der vielen selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, das für jeden Schaden, den das kapitalistische Gemeinwesen seinen Insassen auflädt, ein und dieselbe falsche Erklärung parat hält: Das schlechte Benehmen der Menschen ist schuld, die sich einfach nicht an Moral und Anstand halten. Wären alle so tugendhaft wie man selbst, wäre die Welt in Ordnung und jeder hätte sein Auskommen. Das Anspruchsdenken, sonst heftig im Volk bekämpft, wird auf dem Feld der moralischen Tugenden von Politikern, Wirtschaftskapitänen und Pastoren kräftig angestachelt. Anstand kann ein Mensch gar nicht genug haben! Für das politische Gemeinwesen stiftet die Moral offenbar einen erheblichen Nutzen. Für die Millionen kleiner Leute, die unter seine Räder kommen, taugt sie nichts. Der Vortrag will nicht nur den Begriff der Moral erläutern, sondern einmal die viel gepriesenen Tugenden höchstselbst auf den Prüfstand stellen. Was taugen eigentlich Fleiß, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Altruismus und Höflichkeit? Soviel sei vorweggenommen: Die Kritik an so großen Werten wie Ehrlichkeit oder Altruismus ist kein Plädoyer für die Umkehrung, also für Unehrlichkeit oder Egoismus, sondern ein Einwand gegen den marktwirtschaftlichen und demokratischen Sumpf, auf dem das falsche moralische Bewusstsein gedeiht.
Datum_____Donnerstag, 25.06.2009 Zeit_______18.00 Uhr Ort_______ Hörsaal 1A, Silberlaube (Habelschwerdterallee 45, U Dahlem-Dorf) Referent___Prof. Dr. Egbert Dozekal
Die Krise der „Realwirtschaft“ - bringt die Kritik der kapitalistischen Produktionsweise zur Anschauung
Zu Beginn der Finanzkrise versicherten Politiker und Wirtschaftsführer unisono, dass von dem Crash der Finanzwerte für die „Realwirtschaft“ nichts zu befürchten sei; die sei kerngesund und robust. Seit Herbst letzten Jahres ist sie da: die Krise des Teils der Wirtschaft, in der es um die Produktion und den Handel von Gütern und Dienstleistungen geht. Und dieselben Politiker und Wirtschaftsführer verkünden jetzt, dass es sich dabei um die „größte Krise seit der Großen Depression der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts“ handelt, viel schlimmer als die diversen periodischen „Rezessionen“ der nachkriegsdeutschen Wirtschaft. Es ist also wieder einmal so weit. Die Wirtschaft wächst nicht mehr, sie schrumpft. Na und? Muss denn von allem immerzu immer mehr hergestellt und verkauft werden? Die Frage erscheint bei uns naiv und findet ihre Antwort in den Wirtschaftsnachrichten: Alle deutschen Großbanken, Versicherungskonzerne, Chipproduzenten und Kommunikationsunternehmen, Autokonzerne, Maschinen- und Anlagenbauer und und und ... entlassen zwischen 1000 und 10000 Leute je Firma. Diese Arbeitnehmer dürfen ihr Monat für Monat und Jahr für Jahr zur Bestreitung ihrer Lebensnotwendigkeiten erforderliches Einkommen nur erarbeiten, wenn sie mit ihrer Tätigkeit ein stets wachsendes Geschäft in Bewegung setzen und ein wachsendes Eigentum in den Händen seiner Besitzer schaffen. Ihr Einkommen, das wird daran deutlich, verdienen sich die Leute dadurch, dass sie ihre Arbeitgeber immer reicher machen, während sie selbst dabei gleich arm, auf Arbeit und Lohn angewiesen bleiben. Sie werden für Dienste an der Akkumulation des Kapitals bezahlt – wenn sie das nicht leisten, können sie ihr Einkommen vergessen. Deshalb ist es in dieser Wirtschaftsweise schon eine Katastrophe, wenn alles eine Weile einfach nur weitergeht wie vorher: Dass genauso viel Arbeit verrichtet, dasselbe Quantum Nahrungsmittel, Wohnungen, Autos, PCs produziert und konsumiert wird wie in der Periode davor, - die Menschen also nicht ärmer und nicht reicher würden, das geht in einer Wirtschaft nicht, in der nicht für den Bedarf produziert wird, sondern für die Bereicherung derer, die Kapital besitzen. Wenn “es” nur weitergeht wie vorher, geht nichts mehr – und erst recht geht nichts mehr, wenn „die Wirtschaft“ schrumpft. Wenn schon alle an der Wirtschaft Beteiligten entweder am Wachstum interessiert oder von ihm abhängig sind wie vom täglichen Brot, wenn alle Wachstum wollen und sich anstrengen, es zu erzielen, warum bleibt es dann aus? Was ist das für ein Wirtschaftssystem, in dem die Akteure das Gegenteil von dem erreichen, was sie zu erreichen suchen? Die Unternehmer, die das Wachstum organisieren, machen im Sinn ihres Geschäfts nämlich alles richtig: Sie holen aus ihren Beschäftigten immer mehr Leistung heraus, lassen sie immer mehr Waren herstellen und werfen sie auf den Markt. Auf einmal können sie ihr Warenprodukt dann nicht mehr oder nicht mehr zu profitablen Preisen verkaufen. Die Kaufkraft in der Gesellschaft reicht nicht, um alle Waren zu Geld zu machen. Die Unternehmer selber sind es, die sich diese Schranke der Verkaufbarkeit produzieren, weil sie für ihren Gewinn produzieren lassen. Bei der Produktion des Warenberges, den sie verkaufen wollen, legen sie sich keinerlei Schranken auf und produzieren, als könnte die Gesellschaft grenzenlos kaufen. Wo sie aber selbst Kaufkraft in den Händen ihrer Lieferanten und Angestellten stiften, da sind sie sehr knauserig. Weil die Produktion für den Profit stattfindet, d.h. zum Zweck der Maximierung der Differenz von Kosten und Erlösen, trennt sich die Produktion des zu verkaufenden Reichtums an Waren von der Herstellung der Kaufkraft, die es braucht, um ihn zu Geld zu machen. Die Krise entsteht, weil zu viel Kapital geschaffen und investiert worden ist, weil zu große Produktivkräfte entwickelt und zu viel Waren hergestellt worden sind, um noch für ihren Zweck zu taugen – gewinnbringend verkauft zu werden. So erlebt man die Absurdität, dass in dieser Gesellschaft Not und Armut nicht wegen eines Mangels an Produktion, etwa nach Missernten oder nach Kriegen, sondern wegen eines Zuviel an materiellem Reichtum ausbrechen. Es fehlt an nichts! Fabrikanlagen bleiben ungenutzt, Rohstoffe werden nicht verarbeitet, Menschen, die darauf angewiesen sind, für Lohn zu arbeiten, um leben zu können, liegen auf der Straße. Alle Elemente des materiellen Reichtums bleiben ungenutzt und werden entwertet, weil und solange sie nicht für den einzigen Zweck taugen, für den sie in dieser Wirtschaft da sind: für den Profit. In dieser Phase des industriellen Zyklus zeigt sich der Profit geradewegs als Hindernis einer Produktion zur Befriedigung der Bedürfnisse. Wenn die Gesellschaft lange genug mit der Lähmung ihrer Reproduktion erpresst ist, wenn die Preise für Maschinerie und Rohstoffe gesunken sind und sich die Arbeitslosen immer billiger anbieten, dann kommt der Punkt, an dem sich das Investieren von Kapital wieder lohnt – und der ganze Zirkus beginnt von neuem. Jedenfalls solange sich die abhängig Beschäftigten sich mit ihrer Abhängigkeit vom Kapital erpressen lassen. Aufklärung kann da nicht schaden über:
Leseempfehlungen:
PROF DR. FREERK HUISKEN (Oktober 2006): Über die Unregierbarkeit des Schulvolks. Rütli-Schulen, Erfurt usw. Kurztext: Texte zum Thema "Jugendgewalt" und zu den "Restschulen", neuerdings "Rütli-Schulen" genannt. Huisken verdeutlicht Zusammenhänge, die gerne ausgeblendet werden: Die Unregierbarkeit von Schülern, Schulklassen und ganzen Schulbelegschaften ist das unerwünschte Produkt sehr erwünschter Schul-, Sozial- und Ausländerpolitik. Einleitung: Schulen machen Schlagzeilen, weil Lehrer immer wieder mit dem Schulvolk nicht fertig werden. Da sind zum einen die Haupt- und Realschulen, in denen die Schulverlierer aufbewahrt werden, die auf Unterricht und Schulordnung pfeifen, weil sie ohnehin keine "Perspektive" mehr haben. Auf die Lüge, der Schulabschluss sei der Weg ins Berufsleben, fallen die inländischen und vor allem die Schüler mit "Migrationshintergrund" nicht mehr herein. Wie auch � wo sie frühzeitig auf Hartz-IV festgelegt sind, wo sie wegen "fremder Kultur" in Ghettos abgeschoben werden, wo Kinder zur Last werden, weil die Eltern von Arbeitslosigkeit und Abschiebung bedroht sind. Wenn Schüler in dieser Lage die Schulen in einen "Jahrmarkt ihrer Eitelkeiten" umfunktionieren, zeigen sie nur, wie gut sie bereits all jene geistigen Techniken gelernt haben, die ihnen zur Bewältigung des bürgerlichen Alltags beigebracht werden. Frühzeitig zum "sozialen Ausschuss" degradiert, setzen sie diese nach ihren eigenen Spielregeln ein, und leben an Mitschülern ihren unverwüstlichen Anerkennungswahn und Selbstbewusstseinskult aus. Und da sind zum anderen die "Gewalttäter" wie der R.S. aus Erfurt, die zeigen, dass die Höhere Bildung vor Massakern nicht schützt. Wenn Schüler von Lehrern kurz vor dem Abitur gefeuert werden, wenn sie sich deswegen ungerecht behandelt fühlen und ihr Recht, zu den "Besseren" zu gehören, mit Füßen getreten sehen, dann verwandeln sie schon mal eine Schule in ein blutiges "Feld der Ehre". Nachher darf dann die bestürzte Öffentlichkeit wehklagen, dass das mit der "Ehre" so nicht gemeint ist. Infos zum Buch unter: http://www.vsa-verlag.de/vsa/. ISBN 3-89965-210-X
PROF DR. FREERK HUISKEN (Oktober 2005):
Der "PISA-Schock" und seine Bewältigung. Wieviel
Dummheit braucht / verträgt die Republik?
Die PISA-Studien haben in Deutschland für Aufregung gesorgt. Das miserable Abschneiden 15-jähriger Schülerinnen und Schüler galt und gilt als Blamage einer Nation, die sich nicht nur zu den gehobenen "Wissensgesellschaften" zählt, die sich nicht nur auf ihre Kultur und ihre Geistesleistungen einiges zu Gute hält, sondern die sich bisher auch eines Bildungswesens zu rühmen wusste, dessen Absolventen sich als überzeugte deutsche Demokraten, als "mündige Staatsbürger" fleißig der Rechte und Pflichten annahmen, die das Nachkriegsdeutschland für sie vorgesehen hatte. Aus dem in den PISA-Studien festgestellten Abstieg aus der 1. Liga im Bildungsvergleich wurde das gleiche Schicksal für die deutsche Nationalökonomie abgeleitet. Denn über eines sind sich Öffentlichkeit, Politik und Fachwelt sehr einig: Bildung ist ein Wachstumsfaktor, eine Ressource für den Standort, ist Humankapital, mit dem "wir" unsere Rohstoffknappheit substituieren können und müssen. Eine klare Auskunft darüber, dass Wissenschaft und Bildung ganz im Dienste am Kapital aufzugehen haben.
PROF DR. FREERK HUISKEN: Zur Kritik Bremer „Hirnforschung“: Hirn determiniert Geist - Fehler, Funktion und Folgen. Bremen, 2005. Huisken kritisiert die (Bremer) Hirnforschung anhand grundlegender Resultate der Forschung von Gerhard Roth. Er zeigt auf, in welche Widersprüche sich eine Theorie verwickelt, die Wille und Bewusstsein zu einer Einbildung des Naturdings Hirn erklärt, menschliches Verhalten als Ausfluss seiner anatomischen Voraussetzungen bespricht und versucht, gesellschaftliche Phänomene wie Erziehung und Kriminalität auf hirnorganische Besonderheiten zurückzuführen. Er beleuchtet dabei auch, welche gesellschaftliche Funktionalität dieser Theorie aktuell nicht trotz, sondern wegen ihrer Fehler zukommt. Infos: bestellung@wissenschaftskritik.de
S o z i a l i n f o 2004: Die SozialberaterInnen der HU Berlin haben mit dem Sozialreferat AStA FU ein umfassendes berlinweites Sozialinfo rausgebracht, in Zusammenarbeit mit dem AStA FU und dem RefRat HU. Die Broschüre mit Infos zu sozialen Fragen wie Beratungen, Miete, BAföG etc. liegt im AStA zum mitnehmen aus und ist sehr zu empfehlen.
Aufgrund eines Urteils des Landgerichts Hamburg vom 12. Mai 1998, das eine rechtliche Mitverantwortung für die Inhalte gelinkter Seiten annimmt, sehen wir uns gezwungen, uns explizit von allen Inhalten zu distanzieren, auf die wir von dieser Homepage aus verweisen. |